Alumni-Treffen bei artop vom 10.09.2023

Alumni-Treffen bei artop

Gestern, am 9. September lud artop, Ort und Institut meiner systemischen Ausbildungen, zum Alumni-Treffen ein. Danke an dieser Stelle an das artop-Team für diesen gelungenen, schönen und informativen Rahmen. Ich bin vielfältig inspiriert durch Workshops und alte und neue Kontakte nach Hause gegangen.

Es war schwer, sich aus dem vielfältigen Workshopprogramm jeweils nur ein Angebot in den drei Slots herauszusuchen. In diesen Situationen zwinge ich mich selbst zum Perspektivwechsel und frage nicht, was ich alles verpasse, wenn ich mich für eines entscheide. Das Vertrauen, dass jede der Optionen eine Bereicherung und damit eine gute Entscheidung ist, macht das Entscheiden leichter. Hier meine Auswahl, wobei die Erläuterungen nicht die Workshops wiedergeben, sondern eher meine eigenen Gedanken darstellen:

  1. Storytelling in Changeprozessen - Wie Storytelling-Workshops Veränderungen eine neue Dynamik verleihen.
    Der Workshop hat Kreativmethoden des autobiographischen Schreibens vorgestellt. Für mich ist das ein interessanter Weg, die individuelle und emotionale Komponenten in Changeprozessen anzusprechen um dann entweder die sich dabei zeigenden Widerstände bearbeiten und ggf. integrieren zu können oder direkt eine gemeinsame, kohärente Storyline zu entwickeln. Methodisch scheint mir das ein guter Zugang zu sein, die Sinnkonstrukte und Narrative der Teilnehmenden zu heben, zu teilen und je nach Ausrichtung des Workshops abzugleichen oder zu bearbeiten.
    Ich frage mich darüber hinaus, wie die dabei entstandenen Inhalte mit der Architektur eines Changeprozesses verknüpft werden können. Ich halte bei größeren Veränderungen eine erneuerte Erzählung seiner selbst (egal ob im Coaching oder in der Organisationsentwicklung) für einen zentralen Bestandteil und bin deswegen immer auf der Suche nach Inspirationen, wie diese Erneuerung der Selbsterzählung unter Anerkennung des Bestehenden und mit einem positiven Zukunftsbezug unterstützt werden kann.
  2. Jenseits der Trauer - Was bei der Begleitung von Menschen mit Verlusterfahrung wichtig ist.
    Bereichernd war dieser Workshop nicht nur, weil er ein mir bisher unbekanntes Modell zur Trauerarbeit vorgestellt hat. Dieses arbeitet mit Polaritäten zwischen den Gefühlen Verlust und Wiederherstellung und geht von einem Oszillieren des/der Trauernden zwischen diesen beiden Zuständen aus. Damit lässt dieser Ansatz die Vorstellung von Trauerphasen hinter sich, die in der Regel mit den Worten vorgestellt werden, dass ein Vor- und Zurückspringen nicht nur möglich sondern völlig normal ist (was den Phasenbegriff unplausibel macht). Interessant war darüber hinaus der Austausch in der Gruppe, der leider aufgrund der Kürze des Workshops nicht getieft werden konnte.
    Es tauchten viele professionsrelevante, heißt für die eigene Haltung und die eigene Stabilität relevante Fragen auf: Was mache ich, wenn der Verlust, der vom Coachee benannt wird, meine eigenen (unaufgearbeiteten?) Verlusterfahrungen aktiviert? Habe ich selber einen Umgang mit Verlust und Tod oder versuche ich das Thema (aus dem Coaching) zu verdrängen? Welche Wünsche werden in der Situation vom Coachee an mich herangetragen auf mich projiziert? Habe ich Hilfe- bzw. Erlösungsphantasien? Ist "Trost spenden" Teil der Aufgabe?
    Wie lässt sich nun der Auftrag, die Aufgabe beschreiben? Hier wurde mit dem Modell eine Antwort schon vorgeschlagen und getieft: Wir geben den den Coachees Raum für Ihre Trauer und helfen beim Einordnen, Benennen und Akzeptieren der eigenen Gefühle. Danke für diesen spannenden Impuls.
  3. Coaching und Workshops mit dem Endgegner im Raum - Frustration, Destruktivität und Negativität wirkungsvoll begegnen.
    Da die einfache Lösung nicht zu erwarten gewesen ist, sind die Haltungen umso interessanter, die erfahrene Berater:innen ruhig und mit vollem Vertrauen ihre Arbeit machen lassen, obwohl in jedem Workshop das Potential des Konfliktes und des Widerstandes liegt. Die Antwort liegt für die Referentin in der Grundhaltung der Personenzentrierten Gesprächstherapie, formuliert von Carl Rogers. Diese Grundhaltung besteht aus einem Dreiklang aus Kongruenz, Empathie und bedingungsloser positiver Zuwendung. Zentrales Thema war entsprechend eine methodische Lösung des vielfältigen Problems, sondern der Versuch eine Haltung zu skizzieren, mit denen man seinen Gegenübern begegnet.