Ansatzpunkte persönlicher Veränderung im Coaching vom 28.07.2021

Ansatzpunkte persönlicher Veränderung im Coaching

Wie soll mir das Coaching eigentlich helfen? Diese Frage begegnet mir häufig. Gerade Menschen, die bisher wenig bis keine Coaching-Erfahrungen haben, können sich oft nicht vorstellen, wie eine "Beratung ohne Ratschlag" funktionieren soll.

In meiner Rolle als Coach übernehme ich nicht durch Anbieten von Lösungen und Ideen die Verantwortung für die Probleme Anderer. Es geht darum, für den/die Coachee eine Lösung oder einen Umgang zu einer von ihm/ihr als problematisch oder hinderlich empfundene Situation zu finden. Dabei gebe ich eine strukturierende Außenperspektive, um so gemeinsam die eigenen hinderlichen Anteile zu erforschen und ggf. zu überwinden.

Die Wege zur Lösung erfolgen im Coaching über Erkenntnisse, Entscheidungen und Handlungen des/r Coachees selbst. Diese Erkenntnisse können z. B. das eigene Erleben oder Handeln (bspw. "da reagiere ich immer gereizt/überfordert/hilflos..."), die soziale Umgebung (bspw. "hier fühle ich mich sicher/unterdrückt/gebraucht...") oder die eigenen Werte (ich handle so, weil...) sein. Die Lösungsfindung im systemischen Coaching erfolgt also über die Frage nach dem eigenen Anteil und den eigenen Handlungsmöglichkeiten. Sie zielt die Erweiterung der realen und vorstellbaren Handlungsoptionen.

Sonja Radatz (2006: 29f.) unterscheidet sieben "Ansatzpunkte" für die Lösungssuche im Coaching. Ich zähle sie hier, ergänzt um einige erläuternde Fragen auf, um die möglichen Such- und Lösungswege etwas anschaulicher zu machen:

  • Verlassen des sozialen Systems: Oft tritt Coaching-Bedarf in Bezug auf das eigene Handeln oder Erleben in einem bestimmten sozialen System (bspw. Unternehmen, Beziehung) auf. Ist es eine Option, dieses zu verlassen? Wenn nicht, warum nicht, was steht dem im Weg?
  • Veränderung des sozialen Systems: Wie müsste das System funktionieren, damit das Problem nicht auftritt? Wie hoch sind meine Einflussmöglichkeiten? Was sind aber auch meine Anteile zur Aufrechterhaltung des Zustands?
  • Veränderung der eigenen Identität: Was hat das Problem mit mir als Person und mit meiner Geschichte zu tun? Wie können Lösungen aussehen, die zu mir passen? Was liegt nicht in meinem Möglichkeitsbereich? Benötige oder wünsche ich andere oder erweiterte Kompetenzen? Kann ich diese aufbauen und was brauche ich dafür?
  • Veränderung der persönlichen Handlungsmuster: Habe ich eingeschliffene Handlungsmuster, die mein Problem betreffen oder gar (mit-) verursachen? Warum habe ich das? Möchte ich dieses Muster ändern und wenn ja, was brauche ich dafür?
  • Veränderung von Entscheidungsstrukturen: Wie treffe ich Entscheidungen? Sind diese dann für mich Handlungsleitend? Für was ist mein Entscheidungsverhalten funktional? Entspricht das meinem Wunsch?
  • Verändern der eigenen Kommunikationsmuster: Inwiefern tauchen im Bezug zu meinem Problem eigene, spezifische Kommunikationsmuster auf? Was bewirken diese? Welche Wirkung haben diese ach Außen, was bedeuten sie für mich? Wünsche ich, dies zu verändern und wenn ja, was brauche ich dafür?
  • Veränderung der eigenen Handlungsmaxime: Inwiefern entspringt meine Situation einen Konflikt mit meinen eigenen Zielen oder Werten? Bin ich bereit und dazu in der Lage, dieses individuelle Fundament zu verändern?