Begleitung in Zeiten der Trauer vom 08.05.2024

Begleitung in Zeiten der Trauer

Wie gehe ich mit dem Thema Trauer, Verlust und Tod im Coaching um? Im vergangenen Jahr nahm ich zu diesem Thema an einem Workshop von Sandrina Lellinger teil, an den ich mich in den vergangen Monaten häufig erinnern musste. In einem meiner letzten Coachings war Trauer um und Abschied von einem Elternteil der Ausgangspunkt für viele relevante Klärungsprozesse. Fast gleichzeitig begann ich selbst meinen Vater in der Palliativbetreuung zu begleiten und hatte entsprechend meine eigenen Themen.

Doch was heißt es, in der Trauer zu begleiten? In dem oben beschriebenen Workshop ging es um Trauer und Verlust in engerem Sinn. Im Coaching, das auch eine Trauerbegleitung war, hat sich mir allerdings gezeigt, dass es nicht ausschließlich um den Verlust einer wichtigen Person geht, sondern damit viele für die Person relevante Themen verknüpft sind. Meine Erfahrungen und Schlussfolgerungen möchte ich hier kurz schildern.

Das, oder besser die verschiedenen Modelle der Trauerphasen bieten meines Erachtens einen guten Anhaltspunkt, eine Orientierung in der Begleitung. Sie laden allerdings dazu ein, sich in einem Normverlauf der Trauerbewältigung einzuordnen. Für die Praxis der Begleitung und bei der eigenen Trauerbewältigung behindert diese suggerierte Eindeutigkeit der Phasen. Sie fordert zudem implizit dazu auf, das Ende der Kurve zu erreichen, wo evtl. noch nicht alle Täler durchschritten, heißt alle Themen ver- oder bearbeitet sind.

Ein wichtiger Teil der Trauerarbeit besteht darin, die eigenen Gefühle zu klären, zuzulassen und zu durchleben. In Bezug auf die Klärung konzentriere ich mich methodisch auf die Benennung und Einordnung des oder der aktuellen Regungen und nehme, bei Bedarf, die Basisemotionen zur Hilfe, um mögliche Pole zu benennen. Dies ermöglicht, ein Nebeneinander, Pendeln und eine Gleichzeitigkeit von ggf. auch widersprüchlichen Gefühlen zu thematisieren.

Dabei, die eigenen Gefühle zu erkennen, zu benennen und zuzulassen besteht ein wichtiger Teil meines begleitenden Coachings. Welche Gefühle gesteht sich die Person zu? Verharrt sie in einem Zustand oder versagt sich andere? Ist da zum Beispiel Wut, wo Trauer zu erwarten wäre? Gestehe ich mir zu, wütend zu sein? Woher kommt die Wut? Welche alte Verletzung ist da? Oder bin ich lieber wütend, weil ich dann meine Trauer nicht spüren muss? Und wenn das Gefühl dann da ist, was macht die Person damit, wie durchlebt sie es?

Gefühle sind aber nicht einfach da, als pures Phänomen oder leerer Zustand. Sie sind gerichtet, beziehen sich auf etwas. Gerade in familiären Trauersituationen zeigen sich die Themen des/der Trauernden und "ihres (Familien-) Systems", und das aufgrund des konkreten Anlasses komprimiert, wie im Reaktor. Zum Anlass zeigen sich Verletzungen, Wünsche und Erwartungen, die ggf. auch schon viele Jahre gut verpackt und verschlossen waren. So ist zu erwarten, dass es nicht bei der Trauer alleine bleibt.

Mein Coaching stellt dafür einen geschützten und untersütztenden Rahmen bereit.