Buchvorstellung: New Work needs Inner Work vom 19.06.2025

Buchvorstellung: New Work needs Inner Work

Joana Breidenbach, Bettina Rollow

"Jede äußere Veränderung von Strukturen und Prozessen muss notwendigerweise von einer inneren Transformation begleitet werden".

Die Autorinnen geben in dem Buch wichtige Impulse für eine Organisationsentwicklung in Richtung New Work in Balance von Prozess- und Strukturentwicklung auf der einen und individueller Entwicklung auf der anderen. Sie schaffen es inhaltlich verständlich und Leichtigkeit und Kürze zu beschreiben, wie Teams zur Selbstverantwortung begleitet werden können. Dabei greifen sie unter anderem auf Spiral Dynamics und die Integraltheory von Ken Wilber zurück und beziehen sich ebenso auf Theory U und Lalouxs Reinventing Organisations. Erfrischenderweise unterscheidet sich dieses Buch dabei von anderen dadurch, dass einem beim Lesen nicht eine wunderbare neue (Organisations-) Welt versprochen mit vollendeter Glücklichkeit und bester Effektivität in Aussicht gestellt wird. Statt dessen zeigt sich New Work im Sinne von kollektiver Selbstverantwortung bzw. -führung und Purposeorientierung als eine anspruchsvolle Praxis, die sowohl die Strukturen und Prozesse des Unternehmens als auch die Gewohnheiten und Anforderungen der Mitarbeitenden in die Verantwortung nimmt.

Folgende Gedanken aus dem Buch sind für mich zentral:

  1. Selbststeuerung von Teams oder von noch größeren Einheiten bedeutet, dass Mitarbeiterführung und damit Konfliktpotential breit verteilt werden. Die Notwendigkeit steigt dabei, sich mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Gegenübers auseinanderzusetzen. Klassische Führungskräfte haben im Gegenzug in einem hierarchischen Arbeitskontext für Mitarbeitende eine entlastende Funktion, da Kritik bzw. Aushandlungsprozesse "über die Hierarchie" gelöst werden. New Work macht es notwendig, sich dem Anderen auszusetzen (in beide Richtungen) und zudem zu entscheiden, in welchem Maße das notwendig, also der Sache dienlich ist.
  2. Neben dem Zwischenmenschlichen besteht in der Selbststeuerung die Verantwortung für das Ganze (Team, Abteilung, Organisation - je nachdem). Das macht es notwendig, Führungskompetenzen und Bereitschaft in der Breite zu streuen. Die Autorinnen haben dabei schön klar benannt, dass Verantwortung dadurch nicht weniger wird, weil alle ein wenig davon haben. Vielmehr bedeutet es klarer zu bestimmen (sich abzustimmen), wie Verantwortung verteilt wird.
  3. Der Mensch tritt, im Verständnis des Buches, nicht nur als Träger einer begrenzten Rolle in die Organisation. Vielmehr betonen die Autorinnen, dass der ganze Mensch wichtig für die Entwicklung der Organisation ist, weil er auch mit seinem ganzen Empfinden und Urteilsvermögen als Resonanzraum für die Auseinandersetzung mit Team, Purpose und Struktur eintritt. Das bedeutet erhöhte Anforderungen in Bezug darauf, (1) die eigenen Grenzen zu kennen und zu schützen, (2) zwischen Reflexion und Aktion zu wechseln und (3) insgesamt mit Spannungen umzugehen bzw. diese zu gestalten.

Dieses Buch ist vor allem für Teamgründungen interessant, die nicht ein klassische geführtes Unternehmen anstreben, sondern die mindestens einen Teil der Verantwortung wenn gar auch die Unternehmensführung ab einem gewissen Punkt verteilen wollen. Auch für Gründungsteams, die sich nur mit ihrer eigenen Führungsrolle und den Beziehungen untereinander auseinandersetzen wollen, kann das Buch interessante Anstöße geben.