Festival der Vielfalt 2019 vom 18.05.2019
Am 10. Mai 2019 habe ich federführend für das Haus der Begegnung Potsdam in Kooperation mit über zwanzig engagierten Einzelpersonen und Organisationen das Festival der Vielfalt organisiert. Das Netzwerk bestand aus Akteuren aus behindertenpolitischen Akteuren, aus Werkstätten, Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt Potsdam und dem Beirat für Belange von Menschen mit Behinderung. Das Festival war wahrlich ein Festival und bespielte einen zentralen Potsdamer Platz von 14.00 bis 23.00 mit einem bunten Programm und dem massentauglichen Headliner "Le Fly" aus Hamburg.
Bewertung von Strategie und Nutzen
- Schutzraum für eine gemeinsame Feier: Viele Menschen haben sich hier nicht „behindert“, sondern normal fühlen konnten. Zum Beispiel weil sie auch mit dem Rollstuhl vor der Bühne tanzen können. Dass dies hervorgehoben werden muss zeigt, dass noch ein langer Weg, auch mit solchen Veranstaltungen, vor uns liegt.
- Partizipation, Selbstwirksamkeitserfahrung und Verantwortung: Menschen mit Behinderung waren in alle wichtigen Prozesse der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung eingebunden. Künstler wie Graf Fidi haben das Publikum über ihre Kunst von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung und behindernden Verhältnissen berichtet, Bands aus Wohneinrichtungen hatten große Bühnenerlebnisse.
- Öffentlichkeitswirksame Bühne für politische Forderungen: Der Beirat der Landeshauptstadt Potsdam sowie weitere Organisationen der Selbstvertretung konnten die große Öffentlichkeit nutzen um über ihre Arbeit zu berichten.
- Netzwerkarbeit: Bei der Vorbereitung und Durchführung des Festivals waren über zwanzig Organisationen konstruktiv beteiligt. Perspektivisch wäre eine eigene tragfähige Struktur (Verein o.ä.) zur Vorbereitung des Festivals wünschenswert.
Ein weiterer wichtiger Effekt der Veranstaltung hat sich aus den Rückmeldungen der normalbehinderten Besucher*innen ergeben: - Erfahrungsraum für Normalbehinderte: Mitmachangebote wie der Rollstuhl- oder der Sinnesparkour machen Barrieren erfahrbar, Künstler*innen wie DKN und Graf Fidi formulieren Erfahrungen mit Diskriminierung und stellen sie dem Publikum zur Verfügung. Besucher und Aktive haben beschrieben, dass sie auf dem Festival in angenehmen Ambiente neue Perspektiven einnehmen konnten. Inklusion als gesamtgesellschaftlicher Auftrag kann nur unter Einbezug und der Offenheit der Normalbehinderten geschehen. Daher sind solche Erfahrungsräume wichtig, damit sich viele Menschen Inklusion vorstellen und unterstützen können.