Inspiration und Reflektion - jedes Buch hat seine Zeit vom 28.07.2024

Inspiration und Reflektion - jedes Buch hat seine Zeit

Heute hatte ich den Luxus mir einen Lesevormittag zu gönnen. Ich verbrachte ihn mit dem Buch Future Organization Playbook von Dark Horse, dass schon seit einiger Zeit mahnend in der Nähe meines Schreibtisches liegt. Alleine schon wegen seiner Größe, aber auch wegen des zu erwartenden Berater:innen-Sprechs (reicht ja, dass ich den selber habe) hat das Buch eine große Abwehr in mir erzeugt. Dabei habe ich immer wieder aufs Neue einen Platz gesucht, der mir das Buch und das damit verbundene Thema einerseits in Erinnerung hält, andererseits meine Aufmerksamkeit durch damit verbundene Unterlassensvorwürfe nicht so stark beeinträchtigt.

In der vergangenen Woche habe ich erneut reingeschaut, angefangen darin zu lesen und heute war ich darin versunken. Was ist passiert? Ich habe einen neuen Auftrag und dieses Buch liefert dazu interessante Anregungen. Die Lektüre inspiriert mich. Es ist kein zähes Ringen, sondern beim Lesen konkretisieren, verändern, erweitern sich meine Planungen zum aktuell bearbeiteten Workshop und der dazugehörigen Prozessbegleitung.

Früher habe ich viel "auf Halde" gelesen. Ich habe versucht, mir ein möglichst breites und teilweise auch tiefes Wissen anzueignen. Ich verstehe diesen meinen Anteil als Teil der Bildungsaufsteigerbiographie und als Reaktion auf das allseits bekannte Imposter-Syndrom. Ich kenne diese Tendenz noch, die sich auch durch starke Kaufimpulse in Bezug auf Sachbücher zeigt. Diesen kann ich aber inzwischen, nachdem ich sie innerlich ausgeführt, imaginativ vollzogen haben, in der Realität meist wieder ziehen lassen.

Eine Erkenntnis aus meiner Beraterausbildung war, dass ich niemals alles Wissen vorhalten kann, um es dann situativ abzurufen. Der Versuch immer mehr zu lesen, um auf alle Möglichkeiten adäquat inhaltlich vorbereitet zu sein, ist also Quatsch und hält mich vor allem vom Handeln ab. Inzwischen dienen mir Bücher als Inspiration und Anlass zur Reflektion. Ein gutes (Sach-) Buch bietet mir neue Perspektiven, (für mich) neue Modelle, wie ich einen Gegenstand - eine Beobachtung, eine Situation, ein Gefühl, einen Konflikt etc. - neu begreifen kann.

Dies betrifft meine Arbeit essentiell: Einen Großteil meiner Arbeit verbringe ich damit, (a) Verständigung - zwischen Menschen aber auch von Menschen mit sich selbst - zu unterstützen und (b) Entscheidungsfindung zu erleichtern. Mehr Perspektiven erweitern den Möglichkeitsraum, sie ermöglichen neue Interpretationen und Handlungsoptionen und verhelfen damit den Klientensystemen zu bewussteren Entscheidungen.

Deswegen fesseln mich Sachbücher - bzw. ich lese die, die mich fesseln. Weil sie für meine aktuellen Fragen relevant sind, weil sie mich bereichern und mich über den Tellerrand des eigenen Standpunktes blicken lassen. Entsprechend vielseitig sind die Themen der von mir in den letzten Jahren gelesenen Buchtitel - sie folgen oft aktuellen Projekten bzw. Aufträgen. Eine Auswahl findet sich auf dem Bild.

Dies ist ein Grund, weswegen ich diese Tätigkeit, diesen Beruf so mag. In der Begleitung anderer die eigenen Zugänge erweitern. Dabei ist die Grenze privat/beruflich nicht immer klar zu ziehen - allerdings: Lektüre auf dem sonnigen Balkon ist verglichen mit dem Arbeitsleben anderer der pure Luxus, womit wir wieder am Anfang wären.