NWX 22 - Anhören ungleich Zuhören vom 24.06.2022

NWX 22 - Anhören ungleich Zuhören

Auf der New Work Experience 2022 "celebrating work | pioneering culture" gab es einen weiteren Beitrag, den ich für mich persönlich als auch für meine Arbeit interessant fand. Dr. Bernd Hufnagl sprach zum Thema "Warum unser Gehirn täglich Tagträume benötigt". Hufnagel ist Neurobiologe und Hirnforscher und berät zum Thema Gesundheitsmanagement.

Ausgangspunkt seines Vortrags ist das Forschungsergebnis, dass die Fähigkeit zum Tagträumen, zur freien Assoziation seit 2007 kontinuierlich sinkt. Für diese Fähigkeit werden zudem die gleichen Hirnareale, wie beim Einfühlen in einen anderen Menschen, also Empathie, genutzt. Die zunehmend harte Taktung von Arbeitsabläufen, die Entgrenzung der Arbeitszeit, die extensive Nutzung von Smart Phone und die damit verbundene Form des Informationskonsums über die verschiedenen Social Media-Kanäle, nicht zuletzt dass sich durch jede:n selbst auferlegte Narrativ der notwendigen Effizienzsteigerung führen zu einer dauerhaften Anspannung und zu rastlosen Aufmerksamkeitssprüngen: "Der Tag wird zur endlosen To-do-Liste." Anstelle von kurzen Mikropausen, bspw. beim warten auf den Bus, in die Bäume zu schauen, werden Informationsfragmente in Feeds konsumiert. Kurzgefasst sind damit zwei negative Effekte verbunden: Einerseits gehen damit verschiedene Fähigkeiten verloren: Empathie als Grundlage für kooperatives Handeln und für eine solidarische Grundhaltung; Fokussierung als Voraussetzung für die Bearbeitung komplexer und längerfristiger Themen; Assoziationsfähigkeit, die es ermöglicht, bekannte Muster zu verlassen und kreative Lösungen zu finden. Darunter leidet die Arbeitsfähigkeit. Auf der anderen Seite ist eine Verschlechterung des Wohlbefindens aus dem Gefühl des getrieben Seins, dem fehlenden Kontakt zu sich und dem Umfeld, der Fear of missing out.

Hufnagel fragte "Ist das die Neue Arbeit, wenn Aufmerksamkeitsgestörte mit Aufmerksamkeitsgestörten herumscrumen?" Das Thema findet sich in meiner praktischen Arbeit häufig:

  1. Auf Ebene Person: Als (gefühlte) Überlastung, Rastlosigkeit, fehlender Fokus und Herumspringen zwischen Aufgaben oder nicht Projekte nicht abschließen können, den Newsfeed dauerhaft durchscrollen müssen uvm. Wie gehe ich damit im Coaching um? Bewusstsein schaffen: das eigene Empfinden, ggf. die eigenen Anteile und die auslösenden Situationen verstehen. Achtsamkeit stärken: Was tut mir gut? Entwicklung von Alltagsroutinen: Wie kann ich mir meine Kraftzeiten garantieren? Ggf. hilft auch der Blick auf die eigenen bisherigen Lösungsstrategien: Welche anderen Kompetenzen benötige ich und wie kann ich sie mir aufbauen? Umfeldanalyse: Welche sozialen Felder machen mich stark, welche schwach? Wie möchte ich damit umgehen?
  2. Auf der Ebene Team/Organisation: Hier geht es um eine Analyse des Arbeitsumfeldes auf mögliche Stressoren. Ist das Arbeitsumfeld inklusive der Erwartungen im Team unterstützend. Besteht eine offene, anerkennende und lösungsorientierte Kommunikationskultur? Ist der Purpose klar bestimmt - ziehen alle am gleichen Strang? Sind störungsfreie Arbeitsphasen, Fokusphasen, möglich?

Kommt Ihnen einer der Punkte bekannt vor?
ich freue mich auf eine gemeinsame Arbeit mit Ihnen oder Ihrem Team!