Teamcoaching/Supervision in pädagogischen Einrichtungen vom 14.10.2024

Teamcoaching/Supervision in pädagogischen Einrichtungen

...oder "Warum jede pädagogische Einrichtung eine regelmäßige Supervision machen sollte".

In einem meiner aktuellen Klientensysteme, einer pädagogischen Einrichtung, wird auf Leitungsebene die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer regelmäßigen Begleitung der pädagogischen Fallarbeit durch einen externe Berater, mich, in Frage gestellt. Da die pädagogischen Fachkräfte ja selber Expert:innen seien, könnten Sie pädagogische Fallbesprechungen ja selbständig durchführen. Für den Fachaustausch bzgl. der Klienten der Einrichtung stimmt das.

Nutzen auf Teamebene

Was macht nun den Unterschied zu einer externen Begleitung? Eine gute professionelle Begleitung erweitert das Themenspektrum und tieft wenn nötig die Bearbeitung. Dies ist möglich, weil sie erstens nicht Teil des Teams ist und zweitens weil sie mit einem anderen theoretisch-professionellen Theorie- und Praxiswissen teilnimmt. Der Nutzen im Überblick:

  1. Die Teamkräfte, in denen ein: jede:r mit seiner erarbeiteten Rolle steckt, sind durch eine externe Person verändert. Ich kann den Kolleg:innen andere Dinge sagen, als sie es untereinander tun würden und sie nehmen meine Rückmeldung auch anders wahr.
  2. Die pädagogischen Fachkräfte sind Expert:innen in ihrer Arbeit und kommen mit pädagogisch-didaktischer Expertise. Diese unterscheidet sich von meiner systemischen Expertise, die die Personen der Lehrkräfte inklusive der persönlichen Haltungen, die Gruppen- und Beziehungsdynamik und die Bedeutung des Arbeitsumfeldes, also die Schule und die Eltern mit berücksichtigt. Dies ermöglicht es, eine Perspektivenwechsel auf die Fälle, die die pädagogische Haltung und Handlungsfähigkeit der Fachkräfte im Blick behält und aktiv entwickelt. Gerade dieser Blickwechsel wurde mir bisher als hilfreich und anerkennend zurückgemeldet.
  3. Dazu kommt mein persönlicher Eindruck: Die Fachkräfte stecken in einem fordernden Alltag, in dem sie die kindliche Entwicklung im Blick haben und dabei das Kraftfeld "Kinder - Eltern - Schule" auszubalancieren. Aus diesem Alltag hasten sie in die Sitzungen. Sie empfinden das Teamcoaching als kurze Zeit der Entlastung, da sie hier für neunzig Minuten nicht für den Ablauf verantwortlich sind. Hier können sie besprechen, wofür im schulischen Alltag sonst kein Raum ist. Und hier können sie ihre Schwierigkeiten thematisieren, die oft zu wenig versorgt sind.

Nutzen auf Ebene der Einrichtung

Aus Leitungsebene mit Blick auf die Organisation sprechen folgende Gründen für eine regelmäßige Supervision: Mit der pädagogischen Arbeit am Kind liegt die zentrale Aufgabe in den Händen der pädagogischen Fachkräfte und ihrer individuellen Arbeitsfähigkeit. Pädagogisches Arbeiten erfordert den Einbezug der Individuen, der Persönlichkeiten der Lehrkräfte, ohne die eine erfolgreiche pädagogische Beziehung nicht möglich ist. Der regelmäßige strukturierte und begleitete Austausch dient…

  1. der Entlastung der Fachkräfte und damit zu einer höheren Arbeitszufriedenheit. Die allgemeinen Krankheitsstatistiken verweisen zudem darauf, dass gerade in psychisch anspruchsvollen Arbeitsfeldern entlastende Angebote auch der Sicherung der Arbeitskräfte dienen.
  2. der Qualitätsentwicklung der Schule, da die Fachkräfte nicht nur individuell in ihrer Arbeit unterstützt werden, sondern auch darüber hinaus ein Austausch über und Abgleich der eigenen pädagogischen Grundsätze erfolgt. Das Team arbeitet damit konsistenter und abgestimmter.
  3. dem Wahrnehmen und Heben übergeordneter gemeinsamer Themen. Fallarbeit beginnt oft mit einem Problem auf der Beziehungsebene. In der Bearbeitung schaffen wir es in der Regel, auch strukturelle Einflussfaktoren zu benennen und damit von der Phänomenebene zu abstrahieren. Dies erweitert das Lösungsspektrum.
  4. Das dabei entstandene Wissen, das aus der Alltagspraxis entsteht, erweitert die Wahrnehmung der Organisation über die eigene Einrichtung. Dieses Wissen lässt sich über die Arbeit der Fachkräfte hinaus in die Gestaltung der Einrichtung einfließen. Dafür muss eine Regelung gefunden werden, welche Informationen aus der Supervision in die Leitungsrunde fließen dürfen, um dort die Gestaltung der Gesamtorganisation zu beeinflussen.