Was ich tue - Moderation oder Prozessbegleitung vom 09.02.2024

Was ich tue - Moderation oder Prozessbegleitung

In dieser Woche durfte ich eine Mitgliederversammlung für einen Verband aus dem Bildungsbereich moderieren. Im abschließenden Gespräch mit der Auftraggeberin kamen wir darauf zu sprechen, wie unterschiedlich "Moderation" verstanden werden kann. Sie gab mir zu verstehen, dass ich den Auftrag bekam, weil ich nicht nur durch das Programm leite, sondern aktiv den Gruppenprozess begleite und damit eher als Prozessbegleitung agiere, denn als Moderation. Ich nutze die Gelegenheit, meine Aufgabe als Moderation zu reflektieren und sehe folgende Aufgaben:

  1. Arbeitsfähigkeit durch Orientierung und Sicherheit
    Als Moderation fühle ich mich dafür verantwortlich, dass alle Personen im Raum mit allen für den Termin nötigen Informationen versorgt sind und damit arbeitsfähig sind. Das betrifft die Eröffnung mit allen wichtigen Informationen wie Programmablauf inkl. Pausen, örtlichen Besonderheiten, das Vorstellen relevanter Akteure etc. Auch während des Ablaufs finden diese orientierenden Beiträge statt. Dazu zählt auch das Wissen darum, wer und mit welchen Interessen noch mit im Raum ist.

  2. Am gemeinsamen Ziel ausrichten
    Wichtig ist mir, sowohl zu Beginn in Bezug auf die Gesamtveranstaltung auch zwischendurch bezogen auf Teilabschnitte, der Hinweis auf Ziel und Ausrichtung des gemeinsamen Termins. Wenn bspw. allen bewusst ist, dass es um eine Ideensammlung geht, dann müssen nicht alle Details abschließend im Konsens geklärt werden, was vieles vereinfacht. Bei der methodischen Planung als auch im Prozess selber frage ich daher, was unterstützt die Anwesenden, um das für die Veranstaltung gesteckte Ziel zu erreichen.

  3. Raum geben (und beschneiden)
    Dies ist im Vergleich zu den vorherigen beiden Aspekten ungleich fordernder, da ich situativ entscheiden muss, ob (a) ein Redebeitrag oder Themenstrang auf das gemeinsame Ziel einzahlt, (b) sonst relevant ist ("Störungen haben Vorrang" nach Ruth Cohn) oder (c) ob ich eingreifen muss, was nicht selten Menschen vor den Kopf stößt.
    Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass die (a) Positionen der anwesenden Personen relevant sind, (b) die Personen auch Bedarf haben, ihre eigenen Position zu besprechen (und nicht nur zuzuhören) und dass (c) im freien Austausch oft Neues entsteht (neue Ideen, die Erkenntnis nicht alleine zu sein usw.). Daher achte ich in der methodischen Vorbereitung darauf, dass es ausreichend Zeit für Austausch oder zumindest die Möglichkeit gibt, sich auszudrücken.

  4. Auseinandersetzung gestalten und unterstützen"Raum geben" zielt darauf, die Anderen wahrzunehmen, sich zu zeigen und sich gegenseitig in der Differenz zu erkennen. Moderation bedeutet aber oft, Aushandlungen und Entscheidungsprozesse zu begleiten. Es geht also darum, sich trotz der Differenz auf etwas gemeinsames zu einigen, bspw. zu einer gemeinsamen Vision, Strategie, Operatives etc.

Ich sehe die größte aber auch spannendste Herausforderung der Moderation darin, den unterschiedlichen Interessen im Raum ausreichend Raum zu geben und gleichzeitig die Gruppe auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel zu unterstützen.

So oder so verfolge ich eine aktive und aktivierende Strategie von Moderation. Mein Ziel ist es, die Anwesenden in den Kontakt und den Austausch zu bringen. Dies ist für mich nicht per se eine Prozessbegleitung, für die ich einen geteilten Auftrag der Teilnehmenden voraussetze.